Textverstehen

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Das Verstehen von Texten ist ein zentrales Forschungsgebiet der Kognitiven Psychologie, denn im Erstellen und Verstehen von Texten spiegelt sich einer der wichtigsten kognitiven Prozesse wider: das Konstruieren und Rekonstruieren von Bedeutung. Besonders mit dem Aufkommen der konstruktionistischen Sicht auf das Text- und Sprachverstehen wurde das Textverstehen oft als ein Paradigma zur Erforschung der Konstruktion mentaler Repräsentationen im allgemeinen betrachtet. In jüngster Zeit erhielten Forschungen zum Textverstehen zudem einen neuen, integrativen theoretischen Impetus durch die von Johnson-Laird (1983) sowie van Dijk und Kintsch (1983) vorgeschlagenen Rahmenkonstrukte des mentalen Modells bzw. Situationsmodells. Sie stimulierten zahlreiche Detailtheorien darüber, wie, unter welchen Umständen und mit welchen Konsequenzen Repräsentationen von sprachlich beschriebenen Sachverhalten konstruiert werden. Gemeinsam ist diesen Ansätzen die Annahme, das tiefergehende Verstehen eines Textes erfordere ein über die Repräsentation des Textes und seiner sprachlichen Oberfläche hinausgehendes, kontextualisierendes Modell der im Text beschriebenen Sachverhalte (Dutke, 1998; Rinck, 2000; Zwaan & Radvansky, 1998). Aktuelle Forschungsfragen betreffen vor allem die Struktur, die Manipulierbarkeit und die möglichen Repräsentationsformate solcher Situationsmodelle sowie die kognitiven Voraussetzungen ihrer Bildung. Vereinigt unter dieser gemeinsamen theoretischen Perspektive gibt es derzeit auch im deutschsprachigen Raum eine Anzahl von Forscherinnen und Forscher, die sich intensiv mit dem Textverstehen befassen.

Über Anregungen hinsichtlich des Ausbaus dieser Linksammlung freuen sich:

Mike Rinck (Technische Universität Dresden): rinck@rcs.urz.tu-dresden.de

Stephan Dutke (Universität Münster): stephan.dutke@psy.uni-muenster.de

Literatur:

Dutke, S. (1998). Zur Konstruktion von Sachverhaltsrepräsentationen beim Verstehen von Texten: Fünfzehn Jahre nach Johnson-Lairds Mental Models. Zeitschrift für Experimentelle Psychologie, 45, 42-59.

Rinck, M. (2000). Situationsmodelle und das Verstehen von Erzähltexten: Befunde und Probleme. Psychologische Rundschau, 3, 115-122.

Zwaan, R. A. & Radvansky, G. A. (1998). Situation models in language comprehension and memory. Psychological Bulletin, 123, 162-185.

Diese Kategorie wird redaktionell betreut von: Prof. Dr. Stephan Dutke